Alles begann mit dem "Nägeli-Wyss"

Wyss ist ein Traditionsbetrieb, der auf eine über 150-jährige Geschichte zurückblicken kann, und heute eines der bedeutendsten gärtnerischen Unternehmen der Schweiz. François Wyss (1836 - 1912), Enkel von Urs Viktor Wyss, ist zwar der Gründer der heutigen Wyss Samen und Pflanzen AG ‒ aber er war nicht das erste Mitglied der Familie, das einen Gartenfachbetrieb eröffnete. Mehr über die Firmengeschichte und wer heute die Ansprechpersonen sind, erfahren Sie in dieser Rubrik.

Auszug aus der Jubiläumsschrift zum 100-Jahr-Jubiläum

Verfasserin: A. Tatarinoff

Nach Otto Froebel "Beiträge zur Geschichte des Gartenbaues in der Schweiz", veröffentlicht 1893 im "Der Schweizerische Gartenbau", gründete Urs Viktor Wyss 1801 in Solothurn eine Gärtnerei. Es dürfte dies eine der ersten, wenn nicht die erste Erwerbsgärtnerei in der Schweiz gewesen sein, während zum Beispiel in Zürich der Anfang der Handelsgärtnereien ins Jahr 1833 fiel. Wohl ursprünglich auf gepachtetem Land kultivierend, erwarb am 16. Dezember 1809 Urs Viktor Wyss anlässlich einer öffentlichen Steigerung auf dem Marktplatz von den Erben des Schlosskaplans Gassmann für Fr. 3153.-- das frühere Grimm'sche Lehenhaus mit Garten zu sechs Schildern und Baumgarten an der Baselstrasse beim "Sternen". Urs Viktor Wyss tat sich in der Folge mit seinem frühern Lehrmeister Franz Vogt zusammen. Ein Baumschulkatalog derselben aus dem Jahre 1815 erwähnt 10 Sorten Kirschen, 12 Sorten Pflaumen und Zwetschgen, 72 Sorten Birnen, 61 Sorten Äpfel, 8 Sorten Pfirsiche und 2 Sorten Aprikosen. Der Verkaufspreis für Apfelbäumchen betrug 8 Batzen, für mittelmässige 6 Batzen und für geringere 4 Batzen das Stück. Ein Exemplar dieses Katalogs wird heute noch im Archiv der Firma aufbewahrt.

Urs Viktor Wyss liess sich am 22. Jänner 1822 einen vom Polizei-Direktor Amanz Glutz des Rates unterschriebenen Reisepass ausstellen, um in Geschäften nach verschiedenen Gegenden der schweizerischen Eidgenossenschaft zu reisen. In seiner Gärtnerei pflegte er als schöne und liebenswürdige Besonderheit farbenfreudige Nelken, worüber das folgende, in der in Aarau herausgegebenen Wochenschrift "Der aufrichtige und wohlerfahrene Schweizer Bote" vom 7. Juni 1831 Aufschluss gibt: "Bei Viktor Wyss, Gärtner in Solothurn, No. 143 an der Strasse nach Basel und Aarau, nächst dem Gasthofe zum Sternen, ist in Mitte des Heumonats ein Nelkenflor von 3000 Pflanzen und ein Sortiment von 400 Arten zu sehen, wovon man Ableger oder Marcotten von den schönsten und seltensten Farben in französischer, deutscher, römischer und holländischer Zeichnung haben kann. Die Liebhaber sind ersucht, ihre Bestellungen frühzeitig zu machen, damit sie desto besser bedient werden können. Das Stück kostet 4 Batzen. Auch kann man, um im Freien Rabatten zur Zierde des Gartens zu bilden, ein Sortiment von allen Farben und Zeichnungen das Stück zu 1 Batzen, die schönsten davon zu 2 Batzen haben. Briefe und Geld bittet man franko zu übersenden". Diese ausgedehnte Nelkenkultur trug unserm Urs Viktor im Volksmund die Bezeichnung "Nägeli-Wyss" ein.